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Was kostet eine barrierefreie Website?

Was kostet eine barrierefreie Website? Aktuelle Preise für Audit (ab 490 €) und Umsetzung (ab 2.500 €), Förderprogramme und Spartipps für KMU.

Marc Schraepler von Gerlach

Marc Schraepler von Gerlach

· barrierefreie-agenturen.de

Womit müssen Sie rechnen?

Kurzantwort: Die Kosten setzen sich aus Bestandsaufnahme, technischer Umsetzung und abschließender Prüfung zusammen. Für die Budgetplanung ist deshalb nicht nur die Seitenzahl wichtig, sondern vor allem die Zahl unterschiedlicher Seitentypen, interaktiver Komponenten und Drittsysteme. Der Rechner und die Tabellen unten trennen diese Kostenblöcke.

Auf einen Blick:

  • Audit: 490–8.000 €, je nach Seitenanzahl und Tiefe.
  • Umsetzung: 2.500–15.000 € (KMU-Website) bzw. 8.000–30.000 € (Online-Shop).
  • Förderung: go-digital eingestellt. Bester Weg: BAFA-Beratungsförderung (bis 2.800 €) + steuerliche Absetzbarkeit.
  • Relaunch geplant? Barrierefreiheit direkt einbauen spart 60 % gegenüber Nachrüstung.
  • Pragmatischer Einstieg: Audit + kritische Fixes zuerst (2.000–5.000 €), Rest über 6–12 Monate. → Zum Kostenrechner
  • Alle Marktpreise auf einer Seite: Preisübersicht Barrierefreiheit mit Spannen je Leistung.

Kostenrechner

3 Fragen – individuelle Kostenschätzung in 30 Sekunden

Was kostet ein Audit?

Bevor Sie Geld in Anpassungen stecken, brauchen Sie eine Bestandsaufnahme. Ein Audit zeigt, wo Ihre Website steht und was konkret zu tun ist.

Audit-Typ Preisspanne Was Sie bekommen
Automatisierter Quick-Scan 0–200 € Tool-Analyse (WAVE, axe), deckt 30–40 % der Barrieren auf
Experten-Kurzanalyse 490–1.200 € Manuelle Prüfung der wichtigsten Seiten, priorisierte Mängelliste
Vollständiges WCAG-Audit 1.500–8.000 € Alle Seitentypen, detaillierter Bericht mit Handlungsempfehlungen

Pro Seite rechnen Sie mit 100–200 €. Interaktive Elemente wie Formulare oder Filterfunktionen sind aufwendiger: 200–320 € pro Element.

Unsere Empfehlung: Starten Sie nicht mit dem vollständigen Audit. Für die meisten KMU reicht eine Experten-Kurzanalyse (490–1.200 €) als Einstieg.

Die zeigt Ihnen die kritischsten Barrieren und ob ein umfassendes Audit überhaupt nötig ist.

Die belegten Kennzahlen zu Betroffenen und Marktstand stehen gesammelt unter Barrierefreiheit in Zahlen. Wie verbreitet bereits automatisiert erkennbare Fehler sind, dokumentiert der BFSG-Index 2026 anhand von 184 technisch erfolgreich untersuchten Startseiten aus dem DACH-E-Commerce. Das unterstreicht den Nutzen einer Bestandsaufnahme, ersetzt aber keine individuelle Aufwandsschätzung.

Ein rein automatisierter Test reicht dagegen nicht. Tools erkennen zum Beispiel nicht, ob ein Bild einen sinnvollen Alternativtext hat. Details zur rechtlichen Einordnung unter BFSG-Pflicht: Bin ich betroffen?.

Was verlangen andere Anbieter konkret?

Preisspannen helfen bei der Budgetplanung, beantworten aber nicht die Frage, die vor der Beauftragung steht: Ist das Angebot, das mir vorliegt, marktüblich? Deshalb hier veröffentlichte Preise namentlich genannter Anbieter. Alle Angaben am 12.09.2026 auf den Seiten der Anbieter abgerufen, alle netto.

Anbieter Preismodell Veröffentlichter Preis
musnuss.de je Seite Startseite 190 €, jede weitere Seite +35 €, PDF-Seite +10 €, Re-Audit +20 € je Seite
seraweb.de Festpreis ab Website-Check 79 €, Audit mit Bericht ab 599 €; 50 % werden bei Beauftragung der Umsetzung angerechnet
e3n.de Festpreis 1.990 € für das Audit eines Onlineshops
tollwerk.de je Seite, nach Komplexität Seitengrundpreis 400 €; Tabelle weist 420 € (einfache Seite), 630 € (dynamische Inhalte), 840 € (komplexe Seite) aus, inkl. WCAG 2.2 bis 900 €; dazu Testmanagement und Rüstkosten

Der wichtigste Unterschied steht in der mittleren Spalte, nicht in der rechten. Ein Seitenpreis und ein Festpreis sind nicht vergleichbar. Bei tollwerk prüft ein typischer BIK-Test 5 bis 10 Ansichten – der Einstiegspreis je Seite sagt also wenig über die Gesamtsumme. Ein Festpreis wie bei e3n deckt dagegen einen definierten Umfang ab.

Fragen Sie deshalb immer nach der Zahl der geprüften Ansichten. Zwei Angebote über „ein Audit” können sich um den Faktor fünf unterscheiden, ohne dass eines davon zu teuer wäre.

Ein Fund am Rande, der zur Vorsicht mahnt: Für den vielzitierten Korridor „750 bis 2.500 € für ein Vorab-Audit” ließ sich keine Anbieterkalkulation finden. Die Zahl stammt aus einem Blogbeitrag, der dort ausdrücklich eine Schätzung von ChatGPT und Gemini wiedergibt. Sie ist also kein Marktpreis, sondern eine Modellschätzung, die als Marktpreis weiterzitiert wird.

Wenn ein Angebot deutlich unter diesen Werten liegt: Lassen Sie sich zeigen, wie viele Seiten manuell geprüft werden und ob mit Hilfsmitteln getestet wird. Unter etwa 200 € pro Seite ist eine vollständige manuelle Prüfung rechnerisch schwer darstellbar.

Zwei der genannten Anbieter sind in unserem Verzeichnis gelistet. Das ändert nichts an der Darstellung: Wir geben ihre veröffentlichten Preise wieder wie die der übrigen auch.

Was kostet die Umsetzung?

Die Kosten hängen vom Ausgangszustand Ihrer Website ab.

Website-Typ Preisspanne Typische Maßnahmen
Einfache Unternehmensseite (bis 15 Seiten) 2.500–5.000 € Kontraste, Alt-Texte, Tastaturnavigation, Formulare
KMU-Website (20–50 Seiten) 5.000–15.000 € Navigation, Seitenstruktur, PDF-Dokumente
Online-Shop (WooCommerce, Shopify) 8.000–30.000 € Checkout, Produktfilter, Warenkorb, Zahlungsformulare
Komplexe Webanwendung 15.000–50.000 € Custom-Komponenten, Dashboards, interaktive Elemente

Welcher Weg passt zu Ihrer Situation?

Wenn ein Relaunch ansteht: Bauen Sie Barrierefreiheit direkt ein. Das kostet nur 10–15 % mehr als ein Standard-Relaunch. Nachrüstung ist deutlich teurer.

Wenn Ihre Website auf WordPress läuft: Sie profitieren von barrierefreien Themes und den passenden Plugins. Die Kosten liegen oft 20–30 % niedriger als bei proprietären Systemen.

Wenn Sie einen Online-Shop betreiben: Rechnen Sie mit dem oberen Ende der Spanne. Checkout-Prozesse und Produktfilter sind die aufwendigsten Elemente.

Shopify-Accessibility-Apps (5–75 USD/Monat) helfen bei Einzelthemen, ersetzen aber keine strukturelle Anpassung.

Wenn das Budget knapp ist: Stufenweise vorgehen. Phase 1 (Audit + kritische Fixes, 2.000–5.000 €) bringt den größten Hebel. Den Rest verteilen Sie über 6–12 Monate.

Vor dem ersten bezahlten Audit: Unser kostenloser KI-Check zeigt Ihnen in 2 Minuten, welche Probleme Ihre Website hat, bevor Sie 490 € für einen Quick-Scan ausgeben. So wissen Sie vorab, ob ein vollständiges Audit für Sie sinnvoll ist oder ob ein Quick-Scan reicht.

Gibt es Förderung?

Ehrliche Antwort: weniger als die meisten Quellen behaupten.

Das bekannteste Programm (go-digital, 50 % Zuschuss, max. 16.500 €) wurde Ende 2024 eingestellt. Es gibt kein Nachfolgeprogramm. Was es gibt:

BAFA-Beratungsförderung (bundesweit, aktiv bis Ende 2026). Barrierefreiheit ist explizit als förderfähiges Thema gelistet.

Sie erhalten 50 % Zuschuss (alte Bundesländer) bzw. 80 % Zuschuss (neue Bundesländer), maximal 2.800 € pro Beratung. Die Beratung muss über einen BAFA-registrierten Berater laufen. Details unter BFSG-Förderung.

Digitalbonus Bayern (aktiv bis Ende 2027). Bis zu 7.500 € (50 % der Ausgaben). Barrierefreiheit ist nicht explizit genannt, aber unter Digitalisierung subsumierbar.

NRW: Mittelstand Innovativ & Digital (seit 2026). Bis zu 15.000 € Zuschuss, aber mit Innovationsfokus.

Steuerliche Absetzbarkeit: der universellste Hebel. Alle BFSG-Kosten sind als Betriebsausgaben sofort absetzbar. Softwarelizenzen seit 2021 im ersten Jahr voll abschreibbar.

Bei einem Gesamtsteuersatz von 30 % reduziert sich eine Investition von 10.000 € effektiv auf ca. 7.000 €.

Wie hoch ist das Risiko, wenn ich abwarte?

Zur Einordnung: Das BFSG gilt seit Juni 2025. Die Durchsetzung läuft über zwei Kanäle.

Behördliche Kontrolle: Die Marktüberwachungsbehörde MLBF arbeitet seit September 2025 aus Magdeburg. Bußgelder reichen bis 100.000 €.

Stand März 2026 sind keine Bußgelder öffentlich bekannt. Die Kontrollintensität steigt aber.

Private Abmahnungen: Seit Sommer 2025 verschickt eine Kanzlei Abmahnungen an Online-Shops (ca. 595 € pro Fall). Die Rechtmäßigkeit ist umstritten. Mehr unter BFSG-Abmahnung: Was tun?.

Unabhängig vom Risiko: In Deutschland leben rund 10,4 Millionen Menschen mit anerkannter Behinderung. Eine barrierefreie Website erschließt diese Zielgruppe und verbessert die Nutzererfahrung für alle.

Drei Hebel, um die Kosten zu senken

Priorisieren. Starten Sie mit den Seiten mit dem meisten Traffic: Startseite, Produktübersicht, Checkout, Kontaktformular. Das bringt den größten Effekt pro Euro.

Schulen statt nur beauftragen. Lassen Sie sich vom Dienstleister auch schulen. Alt-Texte, Überschriftenstruktur, barrierefreie PDFs: Das kann Ihr Team selbst übernehmen.

Das spart bei jedem neuen Content.

Laufende Kosten einplanen. Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt. Rechnen Sie mit 700–2.500 € pro Jahr für Re-Audits und Nachbesserungen.

Häufige Fragen

Reicht ein Accessibility-Overlay oder Widget?

Nein. Tools wie AccessiBe oder UserWay können Schriftgröße oder Kontrast anpassen.

Aber fehlende Alternativtexte, nicht-navigierbare Formulare oder falsche Seitenstruktur beheben sie nicht. Fachleute und Überwachungsbehörden stufen reine Overlay-Lösungen als nicht BFSG-konform ein.

Gibt es eine Ausnahme für kleine Unternehmen?

Nur für Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Mio. € Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme, und nur bei Dienstleistungen.

Ein Online-Shop gilt als Dienstleistung im elektronischen Geschäftsverkehr; die Kleinstunternehmen-Ausnahme kann deshalb für den Shop gelten. Pflichten für vom BFSG erfasste Produkte sind davon getrennt zu beurteilen.

Wie finde ich eine seriöse Agentur?

Drei Kriterien: Referenzprojekte mit manuellen WCAG-Prüfungen, keine Abhängigkeit von Overlay-Tools, und ein konkretes Angebot mit definiertem Leistungsumfang.

Im Verzeichnis der Barrierefreiheits-Agenturen können Sie Anbieter nach Region und Leistung vergleichen.

Quellen und Stand

Stand: 12. September 2026. Die Anbieterpreise im Marktvergleich wurden an diesem Tag auf den jeweiligen Anbieterseiten abgerufen.

Die Preisangaben sind Spannen und keine Angebote. Maßgeblich sind der konkrete Prüfgegenstand und ein individuelles Angebot; Förderfähigkeit und steuerliche Behandlung müssen vor Beauftragung geprüft werden.

Rechtlicher Hinweis: Die auf barrierefreie-agenturen.de bereitgestellten Inhalte dienen der allgemeinen Information über das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Sie stellen keine Rechtsberatung dar und können eine individuelle juristische Prüfung nicht ersetzen. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen.