Eine redaktionelle Datenerhebung von barrierefreie-agenturen.de
Barrierefreiheit der Banken-Websites 2026
Bankdienstleistungen für Verbraucher müssen in Deutschland und Österreich seit dem 28. Juni 2025 barrierefrei sein. Wir haben die Startseiten von 116 Banken mit Privatkundengeschäft im DACH-Raum automatisiert gegen WCAG 2.1 AA geprüft und nachgesehen, ob sie Informationen zur Barrierefreiheit verlinken. Die Ergebnisse jeder Bank stehen in der Übersicht aller Banken.
Kurzfassung
- 107 von 110 ausgewerteten Startseiten haben mindestens einen automatisiert bestätigten Fehler gegen WCAG 2.1 AA.
- Im Median sind es 9 bestätigte Fehler je Startseite in der Desktop-Ansicht, bei reichweitenstarken Online-Shops 26,5, bei Großstädten 10,5.
- In Deutschland und Österreich führt die Startseite bei 67 von 84 Banken per Link zu einer Seite, die sich als Erklärung oder Information zur Barrierefreiheit ausweist.
- 2 Startseiten setzen ein Overlay-Widget ein.
Erhoben am 30.09.2026. Geprüft ist nur die öffentliche Startseite, nicht das Online-Banking hinter dem Login. Automatisierte Tests finden nur einen Teil der Barrieren; eine Konformitätsprüfung ist diese Studie nicht.
Die Kernzahlen
- der ausgewerteten Startseiten mit mindestens einem bestätigten Fehler
- 97,3 %
- bestätigte Fehler je Startseite im Median (Desktop)
- 9
- führen per Link zu einer inhaltlich bestätigten Erklärung zur Barrierefreiheit
- 60,9 %
- Lighthouse-Barrierefreiheit im Median
- 95
Warum Banken
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz nennt „Bankdienstleistungen für Verbraucher“ ausdrücklich als erfasste Dienstleistung (§ 1 Abs. 3 Nr. 3 BFSG), das österreichische Barrierefreiheitsgesetz ebenso (§ 2 Abs. 2 Z 4 BaFG). Beide gelten seit dem 28. Juni 2025. Anbieter müssen außerdem Informationen dazu veröffentlichen, wie ihre Dienstleistung die Anforderungen erfüllt, einschließlich der zuständigen Marktüberwachungsbehörde (Anlage 3 BFSG).
Die Schweiz hat die EU-Richtlinie nicht übernommen. Schweizer Banken prüfen wir mit demselben technischen Maßstab, bewerten aber keine rechtliche Pflicht.
Geprüft ist die öffentliche Startseite. Sie ist der Einstieg zu Kontoeröffnung, Kreditanfrage und Login und gehört zum Webauftritt, über den die Dienstleistung angeboten wird. Das Online-Banking selbst liegt hinter einer Anmeldung und ist nicht Teil dieser Erhebung.
Die häufigsten Fehler
Anteil der 110 ausgewerteten Startseiten mit mindestens einem bestätigten Fehler je WCAG-Erfolgskriterium, Desktop-Ansicht.
| WCAG-Kriterium | Banken | Anteil |
|---|---|---|
| 4.1.2 Name, Rolle, Wert | 88 | 80 % |
| 1.3.1 Info und Beziehungen | 80 | 72,7 % |
| 1.4.3 Kontrast (Minimum) | 53 | 48,2 % |
| 3.2.2 Bei Eingabe | 37 | 33,6 % |
| 2.4.4 Linkzweck im Kontext | 33 | 30 % |
| 2.4.1 Blöcke umgehen | 28 | 25,5 % |
| 1.1.1 Nicht-Text-Inhalte | 24 | 21,8 % |
| 4.1.1 Syntaxanalyse | 23 | 20,9 % |
Informationen zur Barrierefreiheit
Wir haben auf jeder erreichbaren Startseite nach einem Link zur Barrierefreiheit gesucht, die Zielseite abgerufen und geprüft, ob sie sich als Erklärung ausweist, das Gesetz und die Marktüberwachungsbehörde nennt. Basis sind 110 Startseiten, deren Inhalt wir lesen konnten.
| Stufe | Banken | Anteil |
|---|---|---|
| Link zu Barrierefreiheit oder Erklärung auf der Startseite | 74 | 67,3 % |
| Zielseite erreichbar | 74 | 67,3 % |
| Zielseite weist sich als Erklärung oder Information zur Barrierefreiheit aus | 67 | 60,9 % |
| … und nennt BFSG oder BaFG | 63 | 57,3 % |
| … und nennt die Marktüberwachung | 45 | 40,9 % |
Erkannt wird ein Link auf der Startseite; Informationen, die nur über Umwege erreichbar sind, zählen hier nicht mit. Was die Informationen nach BFSG enthalten müssen, steht im Ratgeber Barrierefreiheitserklärung, was das BFSG sonst von Banken verlangt, unter BFSG für Banken.
2 Startseiten (1,8 %) binden ein Overlay-Widget ein (eye-able: 2). Solche Werkzeuge ändern die Darstellung, beheben aber keine Fehler im Code; siehe Ratgeber zu Overlay-Tools.
Nach Bankengruppen
Sparkassen und Genossenschaftsbanken betreiben ihre Websites auf gemeinsamen Plattformen. Die Spanne zeigt, wie ähnlich die Ergebnisse innerhalb einer Gruppe ausfallen.
| Gruppe | ausgewertet | mit Fehler | Median Fehler | Spanne |
|---|---|---|---|---|
| Groß- und Regionalbanken | 12 von 14 | 11 | 8 | 0 bis 28 |
| Direktbanken | 6 von 8 | 6 | 10 | 5 bis 48 |
| Sparkassen | 23 von 23 | 23 | 5 | 5 bis 23 |
| Genossenschaftsbanken und Raiffeisen | 30 von 30 | 29 | 11,5 | 0 bis 44 |
| Kantonalbanken | 23 von 24 | 23 | 25 | 2 bis 149 |
| Spezialbanken | 16 von 17 | 15 | 12 | 0 bis 62 |
20 von 23 Sparkassen haben exakt dasselbe Ergebnis: 5 bestätigte Fehler in den Kriterien 1.3.1, 3.2.2, 4.1.2. Das spricht für die gemeinsame Vorlage der Plattform: Ein Fehler dort steckt in allen Websites zugleich, eine Korrektur dort behebt ihn für alle.
22 Startseiten verlinken Inhalte in Leichter Sprache, 22 in Gebärdensprache; bei Leichter Sprache sind es ausschließlich Sparkassen.
Nach Ländern
| Land | Banken | ausgewertet | mit Fehler | Median Fehler | Erklärung bestätigt |
|---|---|---|---|---|---|
| Deutschland | 66 | 62 | 59 | 5 | 49 von 62 |
| Österreich | 23 | 22 | 22 | 16 | 18 von 22 |
| Schweiz | 27 | 26 | 26 | 24 | 0 von 26 |
Alle Banken
Alphabetisch, keine Rangfolge. Je Bank gibt es eine eigene Seite mit den Fehlern nach WCAG-Kriterium. Gezählt wird jedes betroffene Element; ein wiederholter Baustein kann die Summe stark erhöhen, die Zahl der Kriterien ist deshalb oft aussagekräftiger.
Im Vergleich: Online-Shops und Großstädte
Alle drei Erhebungen zählen nach derselben Regel: nur Befunde, die axe nicht zur manuellen Prüfung markiert.
| Erhebung | ausgewertet | mit Fehler | Median Fehler |
|---|---|---|---|
| Banken | 110 | 97,3 % | 9 |
| Online-Shops (BFSG-Index 2026) | 184 | 99,5 % | 26,5 |
| Großstädte (Großstadt-Websites 2026) | 84 | 94 % | 10,5 |
Die Startseiten unterscheiden sich in Aufbau und Umfang; der Vergleich zeigt eine Größenordnung, keine Rangfolge.
Was diese Zahlen nicht sagen
- Automatisierte Werkzeuge erkennen nur einen Teil der WCAG-Kriterien. Ob sich eine Überweisung per Tastatur ausführen lässt, prüfen sie nicht.
- Geprüft ist nur die öffentliche Startseite, nicht Online-Banking, Apps oder Formulare zur Kontoeröffnung.
- Wir veröffentlichen die Ergebnisse je Bank, aber keine Rangliste. Absolute Fehlerzahlen hängen stark von Umfang und Aufbau einer Startseite ab.
- 6 der 116 Banken konnten wir nicht auswerten, etwa weil robots.txt den Abruf untersagt oder ein Bot-Schutz ihn blockiert. Sie fehlen in allen Anteilen.
Daten nachnutzen
Die zusammengefassten Ergebnisse stehen unter CC BY 4.0 zur freien Verwendung, mit Quellenangabe „barrierefreie-agenturen.de, Banken-Websites 2026“.
Wie steht Ihre eigene Website da?
Der kostenlose Barrierefreiheits-Check prüft Ihre Startseite mit denselben Werkzeugen und zeigt bestätigte Fehler getrennt von Hinweisen zur manuellen Prüfung.