Was kostet eine barrierefreie Website?
Auf einen Blick:
- Audit: 490–8.000 €, je nach Seitenanzahl und Tiefe.
- Umsetzung: 2.500–15.000 € (KMU-Website) bzw. 8.000–30.000 € (Online-Shop).
- Förderung: go-digital eingestellt. Bester Weg: BAFA-Beratungsförderung (bis 2.800 €) + steuerliche Absetzbarkeit.
- Relaunch geplant? Barrierefreiheit direkt einbauen spart 60 % gegenüber Nachrüstung.
- Pragmatischer Einstieg: Audit + kritische Fixes zuerst (2.000–5.000 €), Rest über 6–12 Monate. → Zum Kostenrechner
Kostenrechner
3 Fragen – individuelle Kostenschätzung in 30 Sekunden
Was kostet ein Audit?
Bevor Sie Geld in Anpassungen stecken, brauchen Sie eine Bestandsaufnahme. Ein Audit zeigt, wo Ihre Website steht und was konkret zu tun ist.
| Audit-Typ | Preisspanne | Was Sie bekommen |
|---|---|---|
| Automatisierter Quick-Scan | 0–200 € | Tool-Analyse (WAVE, axe), deckt 30–40 % der Barrieren auf |
| Experten-Kurzanalyse | 490–1.200 € | Manuelle Prüfung der wichtigsten Seiten, priorisierte Mängelliste |
| Vollständiges WCAG-Audit | 1.500–8.000 € | Alle Seitentypen, detaillierter Bericht mit Handlungsempfehlungen |
Pro Seite rechnen Sie mit 100–200 €. Interaktive Elemente wie Formulare oder Filterfunktionen sind aufwendiger: 200–320 € pro Element.
Unsere Empfehlung: Starten Sie nicht mit dem vollständigen Audit. Für die meisten KMU reicht eine Experten-Kurzanalyse (490–1.200 €) als Einstieg.
Die zeigt Ihnen die kritischsten Barrieren und ob ein umfassendes Audit überhaupt nötig ist.
Ein rein automatisierter Test reicht dagegen nicht. Tools erkennen zum Beispiel nicht, ob ein Bild einen sinnvollen Alternativtext hat. Details zur rechtlichen Einordnung unter BFSG-Pflicht: Bin ich betroffen?.
Was kostet die Umsetzung?
Die Kosten hängen vom Ausgangszustand Ihrer Website ab.
| Website-Typ | Preisspanne | Typische Maßnahmen |
|---|---|---|
| Einfache Unternehmensseite (bis 15 Seiten) | 2.500–5.000 € | Kontraste, Alt-Texte, Tastaturnavigation, Formulare |
| KMU-Website (20–50 Seiten) | 5.000–15.000 € | Navigation, Seitenstruktur, PDF-Dokumente |
| Online-Shop (WooCommerce, Shopify) | 8.000–30.000 € | Checkout, Produktfilter, Warenkorb, Zahlungsformulare |
| Komplexe Webanwendung | 15.000–50.000 € | Custom-Komponenten, Dashboards, interaktive Elemente |
Welcher Weg passt zu Ihrer Situation?
Wenn ein Relaunch ansteht: Bauen Sie Barrierefreiheit direkt ein. Das kostet nur 10–15 % mehr als ein Standard-Relaunch. Nachrüstung ist deutlich teurer.
Wenn Ihre Website auf WordPress läuft: Sie profitieren von barrierefreien Themes und Plugins. Die Kosten liegen oft 20–30 % niedriger als bei proprietären Systemen.
Wenn Sie einen Online-Shop betreiben: Rechnen Sie mit dem oberen Ende der Spanne. Checkout-Prozesse und Produktfilter sind die aufwendigsten Elemente.
Shopify-Accessibility-Apps (5–75 USD/Monat) helfen bei Einzelthemen, ersetzen aber keine strukturelle Anpassung.
Wenn das Budget knapp ist: Stufenweise vorgehen. Phase 1 (Audit + kritische Fixes, 2.000–5.000 €) bringt den größten Hebel. Den Rest verteilen Sie über 6–12 Monate.
Gibt es Förderung?
Ehrliche Antwort: weniger als die meisten Quellen behaupten.
Das bekannteste Programm (go-digital, 50 % Zuschuss, max. 16.500 €) wurde Ende 2024 eingestellt. Es gibt kein Nachfolgeprogramm. Was es gibt:
BAFA-Beratungsförderung (bundesweit, aktiv bis Ende 2026). Barrierefreiheit ist explizit als förderfähiges Thema gelistet.
Sie erhalten 50 % Zuschuss (alte Bundesländer) bzw. 80 % Zuschuss (neue Bundesländer), maximal 2.800 € pro Beratung. Die Beratung muss über einen BAFA-registrierten Berater laufen. Details unter BFSG-Förderung.
Digitalbonus Bayern (aktiv bis Ende 2027). Bis zu 7.500 € (50 % der Ausgaben). Barrierefreiheit ist nicht explizit genannt, aber unter Digitalisierung subsumierbar.
NRW: Mittelstand Innovativ & Digital (seit 2026). Bis zu 15.000 € Zuschuss, aber mit Innovationsfokus.
Steuerliche Absetzbarkeit: der universellste Hebel. Alle BFSG-Kosten sind als Betriebsausgaben sofort absetzbar. Softwarelizenzen seit 2021 im ersten Jahr voll abschreibbar.
Bei einem Gesamtsteuersatz von 30 % reduziert sich eine Investition von 10.000 € effektiv auf ca. 7.000 €.
Wie hoch ist das Risiko, wenn ich abwarte?
Zur Einordnung: Das BFSG gilt seit Juni 2025. Die Durchsetzung läuft über zwei Kanäle.
Behördliche Kontrolle: Die Marktüberwachungsbehörde MLBF arbeitet seit September 2025 aus Magdeburg. Bußgelder reichen bis 100.000 €.
Stand März 2026 sind keine Bußgelder öffentlich bekannt. Die Kontrollintensität steigt aber.
Private Abmahnungen: Seit Sommer 2025 verschickt eine Kanzlei Abmahnungen an Online-Shops (ca. 595 € pro Fall). Die Rechtmäßigkeit ist umstritten. Mehr unter BFSG-Abmahnung: Was tun?.
Unabhängig vom Risiko: In Deutschland leben rund 10,4 Millionen Menschen mit anerkannter Behinderung. Eine barrierefreie Website erschließt diese Zielgruppe und verbessert die Nutzererfahrung für alle.
Drei Hebel, um die Kosten zu senken
Priorisieren. Starten Sie mit den Seiten mit dem meisten Traffic: Startseite, Produktübersicht, Checkout, Kontaktformular. Das bringt den größten Effekt pro Euro.
Schulen statt nur beauftragen. Lassen Sie sich vom Dienstleister auch schulen. Alt-Texte, Überschriftenstruktur, barrierefreie PDFs: Das kann Ihr Team selbst übernehmen.
Das spart bei jedem neuen Content.
Laufende Kosten einplanen. Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt. Rechnen Sie mit 700–2.500 € pro Jahr für Re-Audits und Nachbesserungen.
Häufige Fragen
Reicht ein Accessibility-Overlay oder Widget?
Nein. Tools wie AccessiBe oder UserWay können Schriftgröße oder Kontrast anpassen.
Aber fehlende Alternativtexte, nicht-navigierbare Formulare oder falsche Seitenstruktur beheben sie nicht. Fachleute und Überwachungsbehörden stufen reine Overlay-Lösungen als nicht BFSG-konform ein.
Gibt es eine Ausnahme für kleine Unternehmen?
Nur für Kleinstunternehmen mit unter 10 Beschäftigten und unter 2 Mio. € Jahresumsatz, und nur bei Dienstleistungen.
Sobald Sie 10 oder mehr Mitarbeiter haben, gilt das BFSG vollständig. Ein Online-Shop fällt unter die Produktregelungen, für die es keine Größenausnahme gibt.
Wie finde ich eine seriöse Agentur?
Drei Kriterien: Referenzprojekte mit manuellen WCAG-Prüfungen, keine Abhängigkeit von Overlay-Tools, und ein konkretes Angebot mit definiertem Leistungsumfang.
In unserem Agentur-Verzeichnis finden Sie geprüfte Dienstleister für barrierefreie Websites.